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Bandverletzungen

Bandverletzungen - Skidaumen

Bandverletzungen

Die große Beweglichkeit der Hand ist erst durch ihre vielen Gelenke möglich. Diese sind, neben den Gelenkkapseln, mit Bändern stabilisiert. Durch Stürze kann es zu Zerreißungen der Bänder kommen. Zwei häufige Verletzungen sind der Skidaumen und eine Zerreißung des SL-Bandes (scapholunäre Bandruptur). Je nach Instabilität ist eine angepasste Therapie erforderlich.

Skidaumen (Verletzung des ulnaren Seitenbandes)

Symptome und Folgen

Ein Bänderriss am Daumen ist in erster Linie sehr schmerzhaft und der Schmerz wird in der Regel durch Druck auf die betroffene Stelle, bei Belastung und Bewegung des Daumens verstärkt. Außerdem kommt es typischerweise zu einer Schwellung und einem Bluterguss (Hämatom) an der Daumenbasis.

Meistens kann mit dem Daumen nicht mehr kraftvoll zugepackt werden und der Daumen gibt bei Belastung nach oder knickt zur Seite weg. Greifen oder Drücken sind nur sehr eingeschränkt möglich.

Durch die Bandruptur kommt es zu einer Instabilität des Gelenkes und zu einer Fehlstellung. Die Arthrose des Gelenkes ist die Folge davon, daher ist bei dieser Verletzung die operative Therapie unumgänglich.

Golfer-Daumen (Verletzung des radialen Seitenbandes)

Am Daumen kann sowohl das speichenseitige Band (radiale Kollateralband) als auch das auf der Beugeseite des Daumengrundgelenkes liegende knorpelige Band zerreißen. Der Daumen lässt sich völlig unnatürlich seitlich bewegen (aufklappen)

Die Häufigkeit, mit der diese Verletzung auftritt, ist jedoch wesentlich geringer als am ellenseitigen Band. Das Verhältnis beträgt etwa 10:1.

Die Folgen sind vergleichbar mit den Schäden am ulnaren Seitenband. Auch hier wird das Daumengrundgelenk instabil und als Spätfolge kommt es zum Verschleißen des Gelenkknorpels. Eine (oft schmerzhafte) Arthrose entsteht.

Diagnostik & Therapie

Bei den Daumenseitenbandverletzungen sollte stets eine Röntgenuntersuchung erfolgen. Im Röntgenbild können bereits Knochenverletzungen erkannt werden.

Auch auf der Speichenseite (radialen) des Daumens gibt es eine knöcherne Bandschädigung ganz analog zur ulnaren Seite.

Bei Untersuchung des Daumengrundgelenkes kann im Falle eines Bandrisses das Gelenk in der gehaltenen Aufnahme aufgeklappt werden.

Die Therapie richtet sich nach der Höhe des Bandrisses. Ist das Band direkt am Knochen oder sogar mit einem Knochenstück ausgerissen, wird es mit einem sogenannten Fadenanker bzw. Juggerknot wieder am Knochen fixiert. Ist das Band mittig gerissen, so kann es einfach wieder genäht werden. Ein mittiger Riss ist jedoch selten. In beiden Fällen ist nach der Operation die Ruhigstellung im Daumengips für sechs Wochen erforderlich.

Hier gelten folgende Grundsätze:

Teilrisse des Seitenbandes werden nur ruhiggestellt und nicht operiert.

Unverschobene knöcherne Bandrisse werden ebenfalls nicht operiert.

Komplette Risse des ulnaren oder radialen Kollateralbandes (Seitenband) werden operiert.

Große Knochenfragmente mit anhaftendem Band (knöcherne Bandrisse), die verschoben sind, werden richtig platziert und mit einem Draht oder einer Schraube fixiert.

Zerreißung des SL-Bandes (scapholunäre Dissoziation)

Hierbei handelt es sich um die Zerreißung des Bandes zwischen Kahnbein und Mondbein nach einem Sturz auf die Hand oder einem sogenannten Anpralltrauma bei sonstigen Unfällen. Das wannenförmige skapholunäre Band (SL-Band) spannt sich dabei zwischen dem Kahnbein (Os scpaphoideum bzw. Skaphoid) und Mondbein aus. Im gesunden Handgelenk werden die Handwurzelknochen durch Bänder in einer Neutralstellung gehalten.

Symptome

Durch diese Fehlstellung werden die Gelenkflächen der Speiche sowie der Handwurzelknochen unnatürlich belastet und verschleißen vorzeitig. Dieser Gelenkverschleiß (Arthrose) in Folge der Bandverletzung wird als SLAC wrist bezeichnet und ist die gefürchtete, schmerzhafte langfristige Komplikation der SL-Bandverletzung.

Die Instabilität bei chronischer scapholunärer Dissoziation entwickelt sich über Jahre hinweg und äußert sich durch Schmerzen, Kraftverlust und/oder einem Knacken im Handgelenk.

Diagnostik & Therapie

Die Diagnostik beinhaltet eine konventionelle Röntgenaufnahme vom Handgelenk in zwei Ebenen sowie zusätzliche Belastungsaufnahmen. Bei Verdacht auf eine SL-Bandruptur sollte die Diagnostik durch eine Kernspintomographie mit Kontrastmittel und einer Spiegelung des Handgelenkes vervollständigt werden. Bei einer Verletzung des SL-Bands gehen Mondbein und Kahnbein auseinander und zeigen im seitlichen Röntgenbild die charakteristische Fehlrotation ("DISI-Stellung")
Die Behandlung einer SL-Bandverletzung muss sehr differenziert erfolgen. Nach Klärung des Befundes am Handgelenk ergeben sich verschiedene Behandlungsmöglichkeiten der SL-Bandverletzung:

Eine „symtomatische Therapie" mit Ruhigstellung und Schmerzmittel ist in wenigen günstigen Fällen möglich und kann bei sogenannten unvollständigen Verletzungen ausreichend sein.

Die Spiegelung des Handgelenkes (Handgelenksarthroskopie) ist ein wesentlicher Bestandteil der Therapie. Hierdurch wird das Stadium der Bandverletzung bestimmt. Dies ist wesentlich für die weitere operative Versorgung.

Es gibt Hinweise, dass eine handtherapeutische Behandlung eine Kräftigung des Bandapparats und das verletzte SL-Band ausreichend stabilisieren kann.

Eine direkte Naht des Bandes ist nur innerhalb von etwa 6 Wochen nach Verletzung möglich.

Es gibt leider bis heute kein verlässliches Verfahren, das skapholunäre Band entsprechend seiner ursprünglichen Form und Funktion wiederherzustellen. Bei einer Bandruptur, die länger als sechs Wochen zurückliegt, sollte das Band ersetzt werden. Dies wird durch einen Anteil einer Handgelenksbeugesehne erreicht (SL-Bandersatz nach Brunelli). Die Fixation mit Bohrdrähten sowie eine mehrwöchige Gipsruhigstellung ist unbedingt erforderlich.

Bei bereits eingetretenem Gelenkschaden kann durch eine „Rettungsoperation“, z.B. eine Teilversteifung („mediokarpale Teilarthrodese") oder eine Proximal Row Carpectomie, langfristig eine schmerzfreie Beweglichkeit des Handgelenks mit gutem Bewegungsausmaß erreicht werden.